Datum: 22. Februar 2009 
Alarmzeit: 09:53 Uhr 
Art: Brand 
Einsatzort: Werneck 
Weitere Kräfte: FF Ettleben, FF Geldersheim, FF Schweinfurt, FF Werneck 


Einsatzbericht:

Werneck – Es ist Faschingssonntag, kurz vor 10 Uhr. Bei der Feuerwehr geht ein Notruf ein: In der Friedenstraße brennt eine Dachwohnung. Ein Nachbar hat die Feuerwehr alarmiert. Notfallseelsorger Gottfried Schemm macht sich mit auf den Weg zum Einsatzort. „So ein Wohnungsbrand ist schon belastend genug“, sagt er. Und kennt noch nicht das Ausmaß des Schreckens: Ein Mensch hat den Brand nicht überlebt. Es ist der 21-jährige Sohn der Hauseigentümer.

Der Verstorbene wird erst später in seinem Schlafzimmer gefunden, gilt zunächst als vermisst. Schemm fordert seinen Kollegen Norbert Holzheid an. Die Feuerwehr kommt nur schlecht an den Brandherd heran. Die Sonnenkollektoren auf dem Dach des Hauses erschweren den Zugang. Aus Bergrheinfeld und Geldersheim werden zusätzlich Feuerwehrleute mit Atemschutzgeräten angefordert.

Jetzt werden die jungen Wernecker Feuermänner abgezogen. Der Tote, mit großer Wahrscheinlichkeit der vermisste Sohn der Familie, war ihr Fußballkamerad. Er war 21. Kreisbrandrat Georg Vollmuth weiß, was jetzt wichtig ist: „Die Kameraden des Toten sind jetzt im Feuerwehrhaus, die müssen reden, reden, reden. Mit so etwas muss man erst einmal fertig werden.“ Die Notfallseelsorger teilen sich auf, der eine betreut die Feuerwehrleute, der andere geht zu den Eltern des Unfallopfers. Die Mutter wird mit einem Schock ins Krankenhaus gebracht.

Bürgermeisterin Edeltraud Baumgartl ist vor Ort. Sie kennt die Familie, der Vater war mit ihr in der Schule, sie will helfen, aber „man ist so machtlos“. Von ihrem ehemaligen Schulkollegen hört sie nur: „Ich muss jetzt stark sein!“ „Er steht unter Schock“, sagt Einsatzleiter Peter Hauke. Er weiß aus Erfahrung, dass sich Menschen in dieser Situation anders verhalten als man erwartet.

Eine Nachbarin der Familie steht am Rande der Unfallstelle, auch ihr ist das Entsetzen ins Gesicht geschrieben: „Das ist schlimm, sehr schlimm.“ Neben ihr steht ein Feuerwehrmann aus der Wernecker Wehr. „Das geht uns schon sehr nahe, wir haben den jungen Mann ja gekannt“, sagt er und ist froh, dass es am Mittwochabend für die Feuerwehrler noch einmal eine Nachbesprechung des Einsatzes geben wird. Mit dem speziell für solche Aufgaben geschulten SbE-Team (Stressbewältigung nach belastenden Einsätzen) aus Schweinfurt und Notfallseelsorgern, denn das zu verarbeiten „ist schwer“.

Georg Vollmuth weiß, im Einsatz darf man so etwas gefühlsmäßig nicht an sich ranlassen, sonst kann man nicht mehr handeln. Trotzdem, auch ihm geht das an die Nieren. „Wenn der Einsatz vorbei ist, dann kommen die Gedanken“, sagt auch Peter Hauke. Aber sein Einsatz ist noch lange nicht vorbei. Zusätzlich ist die Feuerwehr aus Ettleben angefordert für die Aufräumarbeiten, die Kripo ist vor Ort und ermittelt wegen der Brandursache. Dachgeschoss und Spitzboden sind total zerstört. Auf mehrere 10.000 Euro wird der Schaden geschätzt. Klar ist in diesen Stunden noch nichts.
Wenn die Ermittlungen der Kripo vor Ort abgeschlossen sind, muss die Leiche geborgen werden. Ob der Bestatter das kann, ist fraglich, wahrscheinlich müssen auch das die Feuerwehrmänner machen. 80 von ihnen sind an diesem Tag im Einsatz. 15 Helfer hat die Rettungsleitstelle geschickt, darunter zwei Notärzte. Das Verrückteste an diesem Einsatz: Ein Teil der Bergrheinfelder und der Geldersheimer Wehr sind gegen Mittag schon wieder unterwegs nach Hause. Dort haben sie ihren nächsten Einsatz, beim Faschingszug.

Quelle: Main-Post