Wenn die Müllhaufen brennen …

In der Veolia-Sortieranlage: … dann haben die umliegenden Feuerwehren Großeinsatz. Am Samstag war es aber nur eine Großübung im Bergrheinfelder Gewerbegebiet „Am Bahnhof“.

Samstag, 9.45 Uhr. In Bergrheinfeld, Ettleben, Garstadt, Grafenrheinfeld und Schnackenwerth gehen die Feuerwehr-Meldeempfänger und Sirenen an. Gemeldet wird ein Großbrand bei der Firma Veolia im Bergrheinfelder Gewerbegebiet „Am Bahnhof“.

Dies ist eine Übung. Aber eine mit Hintergrund, Sinn und Brisanz: In der großen Müllsortieranlage brennt es in schönster Regelmäßigkeit – im Schnitt einmal pro Jahr sogar heftigst, wissen die Feuerwehren der umliegenden Orte aus eigenem Erleben. Und das dortige Brandgut ist „nicht ohne“.

Etwa sieben Minuten nach dem Alarm am Samstag sind die ersten Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr Bergrheinfeld vor Ort. Dann geht es Schlag auf Schlag: Den vier Bergrheinfelder Fahrzeugen folgen die anderen Wehren.

Bei dem Übungsszenario soll das Zusammenwirken der Einsatzkräfte bei einem Großbrand geübt werden: In Brand stehen gelagerter Kunststoffmüll und Restmüll auf einer Länge von 100 Metern. Eine sich in der Nähe befindliche Halle ist durch Rauch bedroht. Personen werden nicht vermisst.

Die Wehren bauen von einem Hydranten und einer Zisterne die Wasserversorgung auf. Zwei B-Leitungen, die maximal jeweils ca. 800 Liter Wasser pro Minute liefern, versorgen die Löschfahrzeuge am Brandherd. Doch der Vorrat der Zisterne ist begrenzt: Nach etwa einer halben Stunde ist hier Schluss.

Als Ersatz ist eine etwa 1,5 Kilometer lange Schlauchleitung vom Main hinauf ins Industriegebiet notwendig. Dazu werden die Feuerwehren aus Schweinfurt und Theilheim nachalarmiert. Die Schweinfurter Feuerwehr setzt für dieses Objekt erstmals den „Abrollbehälter Wasserförderung“ ein, beschafft vom Land Bayern für den Katastrophenschutz. Er dient zur Löschwasserförderung oder zum Lenzen bei Hochwasser. Der 13 Tonnen schwere Behälter wird auf einem Wechselladerfahrzeug der Feuerwehr transportiert und zur Wasserentnahmestelle am Main gebracht.

Innerhalb des Abrollbehälters ist in einem separat absetzbaren Modul die Pumpeneinheit untergebracht, die in einem Absattelvorgang aus dem Abrollbehälter rutscht. Ein Sechszylinder-Dieselmotor (147 kW/200 PS) treibt hydraulisch eine schwimmfähige Kreiselpumpe (FPN-F 10-3000) an. Diese wird über 60 Meter lange Hydraulikleitungen auf Haspeln mit rund 340 bar angetrieben.

100 Mann und 18 Fahrzeuge im Einsatz

Mit angekuppeltem F-Druckschlauch mit 150 Millimetern Durchmesser, also dick wie ein Oberschenkel, wird das Ansaugteil schwimmend in den Main eingesetzt. Nun beträgt die Förderleistung 3500 Liter pro Minute bei elf bar (Laufradsatz Druck) oder 8000 Liter pro Minute bei 2,1 bar (Laufradsatz Lenz). Drücke bis 16 bar sind möglich. Dies ermöglicht zum Beispiel auch den Einsatz als Brandstellenpumpe insbesondere zum Betrieb von Wasserwerfern.

Man merkt: Bei der Großübung in Bergrheinfeld kommt eine ordentliche Bandbreite an Equipment zum Einsatz.

Das Wechselladerfahrzeug fährt unmittelbar nach Absetzen der Pumpeneinheit am Main zur Brandstelle weiter und verlegt dabei die Leitung aus Druckschläuchen. 1800 Meter F-Schläuche – das sind 36 Stück zu je 50 Metern – liegen in Längsbuchten im Abrollbehälter. Die Verlegegeschwindigkeit beträgt bis zu 40 Stundenkilometer. Was einst fast eine Stunde gedauert hat, geht jetzt wesentlich schneller. Und dabei arbeiten an der Schlauchstrecke vom Main zum Industriegebiet mehrere Feuerwehren Hand in Hand.

Im Hof der Firma Veolia ist die Übergabestelle des vom Main geförderten Wassers: Mit der F-Leitung können fünf Löschgruppen mit Wasser versorgt werden. Damit ist die Wasserversorgung am Einsatzort gesichert, und es kann „aus allen Rohren“ gelöscht werden.

Jüngster Brand war erst vor zwei Wochen

Nach rund 150 Minuten ist die Übung zu Ende, eine Besprechung folgt. Insgesamt waren rund 100 Kräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst mit 18 Fahrzeugen im Einsatz. Kreisbrandrat Holger Strunk lobte das engagierte Arbeiten der Einsatzkräfte. Kommandant Matthias Endres erläuterte das Vorgehen bei der Übung. Diese habe der Zusammenarbeit der Wehren im Ernstfall gedient.

Die Übung bei Veolia war wichtig, denn die Müllsortieranlage ist – wie gesagt – ein „Dauerbrenner“ mit Brisanz: Kunststoffe, Altreifen, Schleifschlamm, Holz und andere Stoffe bilden in diesem Betrieb eine hohe Brandlast. In den vergangenen zwei Jahren musste allein die Bergrheinfelder Feuerwehr 13-mal zu Einsätzen zu Veolia ausrücken. Zweimal war es ein Großbrand. Der letzte Brandeinsatz war erst am 10. Mai. Dieser ging relativ glimpflich aus, weil das Feuer früh entdeckt wurde.

Ein Bericht von Horst Fröhling für das Schweinfurter Tagblatt - mainpost.de
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